Brigitta war meine erste Freundin in Wien. Wir begegneten uns 1969 zum ersten Mal, ich war 11 und Brigitta 10 Jahre alt.

2020, zu Beginn der Corona Pandemie, hatte ich die Idee, ein Porträt von Brigitta zu malen. Ein Porträt im Sinne von „um sie herum malen“, also das was ich sehe, was ich von ihr kenne und was für mich schon immer „sehr speziell Brigitta“ ist.

Wegen der Covid-Ansteckungsgefahr trafen wir uns immer im Augarten und gingen spazieren. Ich erzählte von meinem Vorhaben und Brigitta war einverstanden wenn auch nicht gerade begeistert.

Besonders an Brigitta ist für mich, dass sie sich, seit wir uns kennen, kaum verändert hat. Sowohl im Aussehen als auch in ihrer Gestik und Mimik, ihren Interessen und Lebensstil. Äußerlich liegt das auch, aber nicht nur, daran, dass Brigitta, ihr ganzes Leben immer die gleichartige Kleidung trägt.

Ihr weißblondes Haar hat sich weder in Farbe noch im Schnitt verändert, ihre Brillen sind immer schon groß und schwarz und ihr Körper groß und schlank.

Untrennbar ist Brigitta auch von ihrer Arbeit zu sehen. Deshalb war für mich klar, dass ich ihre Kunst in das Porträt mit hineinnehme. Wie ich das umsetze wusste ich zu Beginn noch nicht.

Brigittas Arbeitsweise hat für mich etwas rhythmisches, mathematisches und sehr präzises. Deshalb beschloss ich, dass das Quadrat meine Format-Vorgabe sein sollte. Daraus ergab sich, dass ich in 4er Zyklen arbeitete, die zusammen wiederum ein Quadrat ergaben.

Ich begann mit den ersten vier Arbeiten bei denen ich aus ihren frühen Büchern zitierte.

Bei den nächsten vier Arbeiten malte ich Brigittas Kleidung.

Sie lieh mir alte, abgetragene Kleidungsstücke die genauso aussahen wie ihre aktuellen.

Ich wollte die Kleidung mit Zitaten aus ihrem letzten Buch versehen. Kleine Insekten krabbelten über-, in- und unter der Kleidung. Aber es stimmte für mich nicht und ich musste sie wieder übermalen.

Ich konnte zwar von Brigittas gefundenen und verwendeten Grafiken und Fotos zitieren und in meinen Bildern umsetzen, aber nicht ihre Zeichnungen aus dem Buch „Strategien der Wirtsfindung“, das empfand ich als Anmaßung.

Was ich unbedingt hineinbringen wollte war Text, bzw. das Abbild von Schrift.

So habe ich in vier kurzen Sätzen, die über den vier Kleiderbilder liegen, unsere gemeinsame Geschichte beschrieben.

Die Schrift ist spiegelverkehrt. Die Überlegung war, dass sich die Betrachter:innen der Bilder anstrengen sollen, wenn sie diese persönlichen Sätze erkennen wollen.

Wenn man es nur als Schriftbild betrachtet, ohne den Sinn zu erfassen ist es auch gut. In der Schule hatten wir mit Spiegelschrift experimentiert, es ist daher eine Erinnerung an unsere frühe Jugendzeit.

Die nächsten zwei Arbeiten ergeben vom Format wieder ein Quadrat. Man sieht noch einmal Brigittas Kleidung in Originalgröße. Das Orange-Rot im Hintergrund ist Ausdruck von starken Emotionen, die aus der meist scheu und introvertiert wirkenden Brigitta, immer wieder kräftig hervorsprudeln.

Alle Bilder sind mit Öl auf Leinwand gemalt, die vier Porträts aber mit Acryl auf Leinwand. Ich wollte dafür ein schnelleres, flüchtigeres Material als Öl verwenden. Entsprechend so, wie ich Brigitta als einen flüchtigen Menschen kenne.